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Das Goomobil, Du weißt es sicher edler Fremder, ist heutzutags der weitesverbreitete Lieferwagen im Cyberspace, ein Vehikel, das sich hauptsächlich Gewerbetreibende anschaffen. Ich bin auch so ein selbstständig Schaffender, Gewerbetreibender trau ich mich ja fast nicht nennen, weil ich bin nur ein kleiner Einzelkämpfer, der vom Wohnzimmer aus ein paar Kunden beglückt.

Bis jetzt verwende ich für meine beruflich bedingten Fahrten (z.B. Sumpfgurken liefern) immer mein Goocycle, das wie Du sicher auch weißt, praktisch das einzige Fortbewegungsmittel ist, das man verwenden kann, wenn man sich im Web bewegen muss. Es ist im Prinzip an allen Ecken kostenlos zu haben, aber es ist ohne Motor und das machts eben manchmal schon etwas mühselig. Aber was solls, bin ja noch recht rüstig und kann da mit anderen Sumpfgurkenlieferanten ganz gut mithalten. Meistens bin ich auch ganz vorne dabei, wenns ums Liefern geht, weil, weißt eh, wie schon der Michail Sergejewitsch sagte: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Das gilt vor allem für den Sumpfgurkenmarkt. Wenn Du als Elfter beim Kunden bist, waren schon zehn andere vor Dir, die ihm alles geliefert haben was er braucht.

Wie das so ist, wenn viele das Gleiche erreichen wollen, sind immer ein paar dabei, die sich mit Tricks nach vorne schwindeln. Da werden Achsen poliert, Teile getauscht, verbotene und höchst ungesunde Substanzen geschluckt und was man sonst noch von den SEOs und der Tour de France kennt.

Wennst nicht hinten nach fahren willst, mußt Du ganz einfach mitmachen. Also hab ich auch mein Goocycle ordentlich hergerichtet, sauber gemacht und alles gut geölt. Ich selbst hab mir die Haare ganz kurz geschnitten, weil das windschlüpfriger ist. Ich hab aber nie irgendwelche giftigen Substanzen zu mir genommen, wenn man von einem Glas Rotwein hie und da absieht. Aber das ist ja als Medizin anerkannt. Aber sonst nix!

Sogar das Rauchen hab ich mir abgewöhnt! Aber nicht nur weils gesünder ist und man dann das Goocycle besser treten kann, nein, vor allem natürlich auch, weil ich Angst vor den Weisen vom Mountain View habe, die darüber wachen, dass alles nach Ihren Regeln abläuft. Rauchen ist ja an sich nicht verboten, ich meine vom Gesetz, das in der realen Welt gilt, aber wenn die kalifornischen Halbgötter sagen, Rauchen mögens nicht, dann lasst mans besser, wenn man ein Goocycle haben und seine Kunden erreichen will.

Also, der langen Rede kurzer Sinn ist, dass ich, weil ich bei einigen Kunden nicht richtig angekommen bin, mich doch entschlossen habe. mir ein Goomobil anzuschaffen. Ein schwerer Entschluss war es, weil jetzt hört sich die Kostenlosigkeit auf und zwar ganz, weil die Lords of Mountain View die langen ordentlich zu. OK, das System ist fair, Du musst nur zahlen, wenn sich auch wirklich was bewegt. Steht das Kreibl, dann kosts nix, erst wenn Du fährst, also wennst Deinem Kunden näher kommst, dann brennst, aber wie ein Luster.

Also hab ich angefangen, hab mir alles eingerichtet, den Sitz vorgeschoben, denn ich hab ein bissl kurze Beine, den Spiegel gerichtet und auf gehts.

Aber schon nach kurzer Fahrt habe ich gemerkt, so bsonders schnell ist das nicht, höchstens 70 geht’s übers Land. Nur in der Stadt, wie ichs erste Mal nach Wien rein gefahren bin, da würd es plötzlich gehn, wie die Feuerwehr. Und dann das erste Mal bei der Tankstelle, da hat mich fast der Schlag gestreift: 17 (siebzehn) Liter auf hundert Kilometer. Jo Sakra!

Na schau ich auf die Instrumente im Cockpit, da steht, dass der verwendete Treibstoff schlecht ist, einen schlechten Qualitätsfaktor hat. Es steht aber nirgends, wie ein ordentlicher Treibstoff sein soll und wo man solchen bekommt. Und an der Relevanz haperts auch. Das versteh ich überhaupt nicht, weil ich hab mir extra einen aus Sumpfgurken gebrannten Sprit beschafft und zur Schmierung verwende ich nur feinstes Sumpfgurkenkernöl! Dann lese ich alle Gebrauchsanleitungen sorgfältig durch. Da finden sich einerseits so Anleitungen, wie „Wenn Sie nach links fahren wollen, drehen Sie das Lenkrad gegen den Uhrzeigersinn“ oder eine genaue Anleitung wie man die Luftfeuchtigkeit über den Rücksitzen misst und wie sich diese bei wie vielen dort sitzenden Personen verändert. Alles wahnsinnig hilfreich.

Na da denk ich mir, da hilft nur der Besuch einer Goomobilniederlassung. Also auf geht’s!

Ist ja nicht weit und bin ich bald dort. Die Werkstätte ist im Stil wie ihn die Leute aus Kalifornien lieben, schlicht und ohne Schnörkel, schon fast spartanisch. Da stehen auch schon ein paar Goomobils samt deren Driver herum. Einer sagt mir gleich, dass momentan keine Leute vom Googlisterium da sind. Der Grzegorz ist momentan auf Heimaturlaub in Wroclaw (sprich Rozwaw), die Ludmilla ist heute unpässlich und der Bobbie sollte da hier wo sein, isser aber nicht.

Die Goomobiler, die da herumstehen, unterhalten sich angeregt. Wie ich schnell heraushöre, weiß keiner so recht wie was geht, obwohl einige sich „Topdriver“ nennen. An der Wand hängt ein Schild „Falls hier geschlossen, wenden Sie sich an ...“ hier folgt eine Liste von Vertragswerkstätten. Da steht auch einer von denen, der hat seinen Abschleppwagen gleich dabei. Wie ich das Gespräch auf mein Problem der schlechten Qualität des Treibstoffs bringe, kommt mitleidiges Lächeln in die Runde: „ Das weiß keiner, vermutlich nur eine Ausrede, damit der Kilometerpreis nicht zu schnell sinkt.“

Der mit dem Abschleppwagen, ein zertifizierter Vertragsmechaniker, bietet mir an, sich meines Problems anzunehmen. Er gibt mir auch gleich die Preisliste: Motorhaube öffnen = 100 Euro, Ölstab herausnehmen, abwischen, wieder rein und raus, Ölstand kontrollieren = 233 Euro, usw. Mindestauftragshöhe 1.000 Euro, zahlbar im voraus. Ölstand überprüfen trau ich ihm gerade noch zu, was die komplexeren Probleme betrifft, habe ich meine Zweifel. Und für den Ölstand brauch ich keinen Spezialisten.

Und wenn ich mir dann ausrechne, wie viele Sumpfgurken ich verkaufen muss um das wieder reinzukriegen, wird mir schlecht. Da schiebe ich mein Goomobil ums Eck auf den Parkplatz und lass es dort stehen. Hinter dem Scheibenwischer lass ich meine Nachricht:“Wegen zu niedrigem Qualitätsfaktor retour!“

Zu Hause schwinge ich mich wieder auf mein Goocycle, das ist das richtige Vehikel für einen kleinen Mann wie mich.
 

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